U16 auf der deutschen Vereinsmeisterschaft in Walldorf

01-01-2018

Die deutschen Jugendmannschaftsmeisterschaften finden traditionell ‚zwischen den Jahren‘ statt. Dieses Jahr hatten wir uns als Nachrücker qualifiziert, nachdem wir mit dem 4. Platz bei den „Mitteldeutschen“ die direkte Teilnahme knapp verpasst hatten.

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Nicolas Schäfer, Kevin Zha, Meikel Jenner und Elias Schmied (Foto von der Turnierseite)

Etwas länger ist es her - gefühlt seit Menschengedenken - dass eine saarländische Jugendmannschaft halbwegs erfolgreich an einer deutschen Meisterschaft teilgenommen hatte. Zuletzt hatten 2014 unsere U20 in Naumburg sowie die Riegelsberger Mädchenmannschaft in Regensburg gegen den letzten Tabellenplatz angekämpft. In den Glanzzeiten der Heusweiler Jugendarbeit (2011 oder so) war soweit ich mich erinnere sogar eine Mannschaft unter die ersten Zehn gelangt.

Ausrichter war diesmal der SV Walldorf, was den Vorteil hat, gut und schnell erreichbar zu sein. Das erleichterte die Planung, da die Hinfahrt bereits am 2. Weihnachtsfeiertag anstand und daher mit den Familienfeiern kollidierte. Den Eltern ist zu danken, dass wir da einen Kompromiss finden konnten.

Erfreulich war, dass die Partien live im Internet zu sehen waren, u.a. auf Chess24 und ChessBomb. So konnten die Daheimgebliebenen mitfiebern und uns dank Stockfish und Co. hinterher sofort auf die Nase binden, wo die Jungs gepatzt hatten.

In der 1. Runde bekamen wir Karlsruhe zugelost, die in der Setzliste weit vor uns lagen. Das Ergebnis von 3:1 war dann scheinbar entsprechend. Trotzdem war da eigentlich mehr drin. Nicolas an Brett 1 war noch nicht richtig wach, als er bereits einen wichtigen Zentralbauern bzw. die Qualität hergeben musste. Um nicht endlos zu leiden, ging er aufs Ganze und versuchte, im Gegenzug einen Königsangriff zu starten. Der schlug zwar letztlich nicht durch, immerhin aber konnte er den Gegner unter Druck setzen. Meikel an Brett 2 hatte sich ‚vorbereitet‘ (mehr dazu später). Sein Aljechinversuch wurde heftig zerlegt und nach knapp 20 Zügen war bereits Ende. Kevin hatte einen Mehrbauern herausgespielt, den er aber nicht verwerten konnte. Elias musste ebenfalls mit Remis zufrieden sein.

In Runde 2 war Tübingen unser Gegner. Meikel hatte wieder Schwarz und nach dem Debakel am Morgen entschloss ich mich dazwischen zu grätschen und redete ihm den Aljechin aus. Diesmal machten wir die Vorbereitung gemeinsam und siehe da, zumindest die Eröffnung verlief nach Plan. Die Spanischkenntnisse des Gegners waren zum Glück auch nicht perfekt, so dass Meikel einen brenzligen Moment überstehen und dann langsam das Ruder an sich reißen konnte. In folgender Stellung konnte er dann die Entscheidung forcieren:

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26… e3! 27. Sxe3 De4

Es folgte der Königslauf (corrida del rey) durch die ganze Arena und das Finale:

28. Kf1 Txc1+ 29. Ke2 Df3+ 30. Kd3 Se5+ 31. Kd4 De4+ 32. Kc5 Sd3+ 33. Kd6 Dc6+

34. Ke7 Dc7+ 35. Ke8 Lc6

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¡Olé!

Nicolas hatte inzwischen einen heftigen Angriff aufgebaut.

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Nach überstandener Zeitnot spielte er dann die lange geplante Abwicklung

42. Tgxh6+ gxh6 43. Txh6+ Kg7 44. Th7+ Kf8 45. Txc7

 und übersah, dass er mit 44. Tg6! statt Th7+ die Partie sofort entscheiden konnte. So wars nur Remis. Schade. Noch schader1 war, dass Kevin seine Partie einzügig einstellte. Elias hatte unterdessen seinen solide herausgearbeiteten Vorteil verspielt und mit etwas Mühe Remis gehalten: 2-2. Da war mehr drin gewesen.

Am nächsten Morgen wartete dann Lambsheim auf uns, die nach der Niederlage bei der MDVM Revanche wollten. Die bekamen sie auch. Kevin an Brett 3 kam diesmal schlechter als gewohnt aus der Eröffnung und konnte die Probleme dann nicht mehr lösen. Elias fand nicht den richtigen Aufbau gegen den etwas passiv interpretierten Grünfeldinder seines Gegners und willigte ins Remis ein. Nicolas versuchte, an Brett 1 den Kampf offen zu halten, weil auch Meikel an Brett 2 den Vorteil langsam verspielte. Am Ende verlor Meikel sogar und Nicolas gab das Endspiel Remis. Ob zurecht, wurde hinterher noch kontrovers diskutiert.

Zu Mittag kam dann der ‚Präsident‘ Tim Biehl und half, die Moral zu stärken. Sehr erfolgreich, wie sich zeigte. Gegen den bayrischen Vertreter Gräfelfing konnten wir verdient mit 3:1 gewinnen. Elias und Kevin gewannen, Nicolas und Meikel (gegen die dt. Meisterin in der U14) holten jeweils Remis.

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Runde 4 gegen Gräfelfing

Wieder bekamen wir mit Bingen einen Gegner der MDVM zugelost, sogar mit den gleichen Farben. Diesmal wollten wir Revanche. Die bekamen wir aber nicht. Meikel hatte sich über Nacht ‚vorbereitet‘. Das ließ Schlimmes befürchten. Er spielte die gleiche Variante, die schon bei der MDVM nicht reichte und war diesmal schon nach 14 Zügen platt. Hm, könnte es vielleicht sein, dass der Gegner sich auch darauf vorbereitet hatte? An den anderen Brettern versuchten wir, dagegen zu halten und den frühen Rückstand aufzuholen. Nicolas lieferte sich einen wilden Schlagabtausch aus der Eröffnung heraus und konnte froh sein, dass sein Gegner nicht die besten Züge fand. Remis. Kevin konnte einen positionellen Vorteil herausholen, aber nicht verwerten und auch Elias musste sich mit Remis begnügen, nachdem er einen Mehrbauern wieder hergeben musste.

Mittags kam dann Familie Jürges als Glücksbringer zu Besuch. Paul war als Ersatzspieler gemeldet, brauchte aber nicht ins kalte Wasser zu springen. Am Nachmittag gegen Schwäbisch-Gmünd gelang uns dann auch ein klarer Sieg, der noch höher hätte ausfallen können, wenn Kevin seine sauber herausgespielte Gewinnstellung verwertet hätte. In der letzten Runde am Samstagmorgen gegen Grün-Weiß Leipzig verlief auch nicht alles nach Plan. Nicolas hatte an Brett 1 eine gute Stellung aus der Eröffnung heraus, suchte aber dann zu verbissen einen direkten Gewinn, übersah dabei einen Konter und musste bald aufgeben. Kevin konnte seinen Gegner sauber überspielen und glich aus. Meikel kam zwar nach diesmal wieder gemeinsamer Vorbereitung gut aus der Eröffnung, fand aber nicht die richtigen Folgezüge und stand auf Verlust, als sein Gegner in Zeitnot und kniffliger Stellung Remis annahm. Glück gehabt. Elias versuchte lange, einen Vorteil herauszuspielen und seine starke Turnierleistung mit einem weiteren Sieg zu krönen, musste aber dann einsehen, dass sein Gegner nichts anbrennen ließ und gab Remis. Mit dem 2-2 hatten wir im Endergebnis 6-8 Mannschaftspunkte zusammen. Der 14. Platz (bei 20 Teilnehmern) ist ein ordentliches Ergebnis, mit dem wir zufrieden sein können.

Meister wurde übrigens nach spannendem Verlauf der Hamburger SK, mit Einzelmeister Luis Engel an Brett 1, der eine sehenswerte Partie nach der anderen spielte, wobei eine krachende und ebenso sehenswerte Niederlage darunter war. Wir konnten insgesamt gut mithalten, aber von den Mannschaften im Spitzenfeld sind wir noch um einiges entfernt. Ändern lässt sich das vermutlich nur durch weitere Professionalisierung sowohl im Verein als auch auf Verbandsebene.

Ergebnisse und die Tabelle gibts auf der DSJ-Webseite.



1 Doch, das ist korrektes Deutsch!

 

Nachtrag:

Am selben Tag wie Meikel spielte Anand in Riad bei der Schnellschach-WM in der vorentscheidenden Partie gegen Carlsen ein analoges Räumungsopfer in ähnlicher Stellung:

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Carlsen-Anand, Stellung nach dem 33. Zug von Weiß

Anand zog Txc5 und nach 34. Dxc5 De4 gab Carlsen auf. Nach 35. Kf1 folgt Dh1+ 36. Ke2 Lf3+ 37. Kd2 Se4+ 38. Kc2 Dxc1+! und Schwarz bleibt mit einer Mehrfigur im Vorteil. Meikels Königsjagd ist natürlich hübscher Cool

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